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Dieses Thema hat 6 Antworten
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 Einsatz i. d. Volkswirtschaft / Fremdwachen / Naturkatastrophen
Harald_970 Offline




Beiträge: 305
Punkte: 2.463

17.07.2012 22:50
RE: Winter 1978/79 Antworten

Hallo Freunde!
erinnert ihr euch noch an den Jahreswechsel 1978/79?
ich war junger Oltn, gerade mal 4 Monate im Regimentsstab. Über Weihnachten 1978 war es ungewöhnlich warm, es goss wie aus Eimern. Innerhalb von Stunden sank die Temperatur dramatisch auf über zweistellige Werte im Minusbereich ab.
Ich weiss es nicht mehr genau, ob Aussenschläferalarm ausgelöst wurde oder nicht. Ich begab mich mit meinem Trabbi 600 zu Silvester 1978 in die Kaserne. Strom war ausgefallen, Schneehöhe bei uns im Durchschnitt 30 cm, Schneewehen bis 2m Höhe. Alles war dunkel. Ein scharfer Wind wehte.
Befehl des Kommandeurs: Entladung der Truppenvorräte an Munition. An die MSK: Bereitstellung von Arbeitskommandos. Gegen Morgen Aufsitzen der AA und Abmarsch in den Raum Leipzig. Im Stab wurde eine operative Gruppe gebildet, die die Verbindung aufrecht hielt und die genauen Stärken notierten. Vorher wurde noch Bekleidung und Ausrüstung im BA-Lager empfangen, im Dunkeln, nur mit Notbeleuchtung, ohne Anwesenheit des Lagerverwalters BA - Ofw Baumann wurde wahrscheinlich nicht rechtzeitig alarmiert.
Unsere Soldaten verrichteten dann mit dem Spaten in der Hand solche Aufgaben wie losbrechen der angefrorenen Rohbraunkohle aus den Waggons, säubern der Transportbänder usw.
Diese operativen Gruppen existierten bis etwa März des Jahres 1979, rund um die Uhr.
Ursprünglich sollte wohl dieser Einsatz unserer Soldaten bezahlt werden, aber das glaube ich nicht so recht.
Unsere Wirtschaft war damals schon stark angeschlagen, was ja letztendlich in den 80iger Jahren zu massivem Einsatz von Soldaten in der VW führte und sicher auch ein Grund für unsere einseitigen Abrüstungsmassnahmen war.

Gruss Harald!


Karsten_Scherf Offline

* * große Sterne


Beiträge: 755
Punkte: 6.759

30.11.2012 20:02
#2 RE: Winter 1978/79 Antworten

aus fb-TV-MSR-16 vom 29.11.2012

"Winterkampf 1979" im VEB BKK Espenhain"

Die Kumpels haben zu Weihnachten/Silvester bei ´ner Flasche Schnaps zu hause gefeiert.
Die NVA "durfte" unentgeltlich die verkorkste Energiepolitik retten!

Vergleiche mit heute sind rein zufällig...., Danke an Peter der Große für das Bild.

Karsten


Erdmute_Manke ( gelöscht )
Beiträge:

04.09.2013 20:19
#3 RE: Winter 1978/79 Antworten

Hallo Freunde, ich melde mich auch mal wieder. Ich weiß zwar nicht, ob die Beiträge einer Frau überhaupt gelesen werden. Ich interessiere mich jedenfalls für alle Beiträge und lese fast jeden Tag mit und entdecke immer neue Themen.
Ich kann mich auch noch an den Jahreswechsel erinnern. Unsere Kinder waren 4 Jahre bzw. 5 Monate alt. Mein Mann hatte Silvester ausnahmsweise frei. KC hatten ja immer Heiligen Abend oder Silvester Dienst.
Kurz der Strom ging weg, etwas später klopfte der Kradmelder an unsere Wohnungstür und mein Mann wusste weg. Mit der Kompanie Schnee schippen! Morgen früh bin ich wieder da, so seine Worte. Es wurden 6 Wochen. Der Hauptfeldwebel, Ofw. Linke, holte ein paar Tage später ein paar Sachen, Unterwäsche, Socken, persönliche Dinge usw.
3 Wochen Nachterstedt, 3 Wochen Rötha. Als Dank erhielt mein Mann aus der Konsumgüterproduktion ein Dreirad für unseren Sohn. Einige Offiziere, die nicht in der "Braunkohle" waren, wurden mit Geldprämien belobigt (ich musste die Befehle schreiben) bzw. erhielten große Ladungen von Briketts.
Ja, was war die Volkswirtschaft ohne Nationale Volksarmee?
Mein Mann war z.B. im Sommer 1976 mit seinem Zug 5 Wochen in der Getreideernte in Quedlinburg/Harz.
Wenn ich an die vergangenen Jahre zurück denke, (wir waren 37, 5 Jahre verheiratet), "Armeefrauen" waren mit ihren Kindern oft und viel allein. Einsätze in der Volkswirtschaft, Gefechtsschießen, Übungen, Feldlager zu jeder Jahreszeit, Lehrgänge, "Frühsport nachholen", Soldaten UE oder andere Vorkommnisse usw. kein Wunder, dass so viele Ehe geschieden wurden. Es war für uns Frauen nicht immer leicht, alles allein zu machen und allein zu entscheiden. Die Kinder hatten immer Sehnsucht, wenn der Vati weg war bzw. sie schon schliefen, wenn er nach Hause kam. Unsere Tochter bekam immer hohes Fieber, wenn ihr Vati ins Feldlager fuhr.
Ich überlege manchmal, wenn ich im Forum lese, ob daran noch jemand denkt. Es war nämlich nicht alles schön.
Obwohl mich die 5 Jahre im MSR-16 geprägt haben und ich gelernt habe, mich durchzusetzen.
Vielleicht antwortet jemand darauf. Ich finde es sowieso schade, dass die Zivilbeschäftigten sich nicht zu Wort melden. Ohne die fleißige Arbeit der Küchenfrauen, der Kraftfahrer, der Mitarbeiter im Klubhaus und der MHO, bzw. des Heizhauses, der Sachbearbeiterinnen, Sekretärinnen, Krankenschwestern usw. hätte der tägliche Betrieb im Truppenteil nicht optimal funktioniert.

Viele Grüße von Erdmute Manke


Frank_Herzig Offline

Großer Stern mit Ehrenkranz


Beiträge: 8.803
Punkte: 390.966

04.09.2013 20:48
#4 RE: Winter 1978/79 Antworten

Liebe Erdmute,

du kannst sicher sein, dass die "Beiträge einer Frau" hier gelesen werden!

Was wären wir teilweise ohne euch damals gewesen, ihr hab doch die Sache am Laufen gehalten, wenn wir fort waren. Das kann man(n) nicht hoch genug wertschätzen.

Ich sage dir heute einfach DANKE dafür!

Ich habe ja die eine Rubrik um die Zivilbeschäftigten erweitert, glaube aber, dass noch viel zu wenige von unserer Seite wissen. Aber wenn wir die ehemaligen Zivilbeschäftigten auf die Seite aufmerksam machen, kommen bestimmt auch Reaktionen. da bin ich mit ganz sicher.

Herzliche Grüße

Frank

PS: Ich freue mich auf deinen nächsten Beitrag.

Frank

---
Träume nicht dein Leben - lebe deinen Traum!
Alter ist eine Zahl - keine Ausrede!


Erik_Graue Offline



Beiträge: 32
Punkte: 46

05.09.2013 10:50
#5 RE: Winter 1978/79 Antworten

Ja, richtig, bei diesem Stichwort Winter 1978/79 erinnere ich mich auch wieder ...

Ich war am diesem Silvesterabend (31.12.1978) Kontrolldienst in der AklK.
Nach meiner Erinnerung wurde das gesamte Regiment dann in den frühen Morgenstunden des 1.1.1979 alarmiert.
Es ging aber nicht in den WKR, sondern die Aufgabe lautete, sich auf eine Verlegung der Hauptkräfte des Regiments in die Volkswirtschaft vorzubereiten.
Die größten Witterungsunbilden gab es zwar im Norden, aber auch den Süden hatte es stark erwischt und hier kam schließlich die Braunkohle her, dem plötzlich wieder „neuen“ Hauptenergieträger der DDR, nachdem unsere sowjetischen „Freunde“ begonnen hatten, den Erdölhahn langsam zuzudrehen (d.h. schlichtweg nunmehr Weltmarktpreise statt „Bruderpreise“ zu verlangen).

Genaue Abläufe weiß ich nicht mehr, irgendwann in den Nachmittagsstunden, es mag der 1. oder 2. Januar gewesen kam, erreichte die AklK im Kfz-Marsch mit diversen anderen Einheiten den Zentralen NVA-Einsatzstab im Braunkohlenkombinat Borna (oder Böhlen?) und wurde dann nach einigen Wartestunden in’s Braunkohleveredelungswerk Espenhain verlegt.
Das war schon damals eine umweltzerstörende Dreckschleuder und es sah hier genauso aus, wie man sich das in seinen schlimmsten Träumen ausgemalt hat.
Über den Köpfen überall zischende Rohrleitungen, die man sich ganz genau ansah, ehe man darunter hindurch ging, weil ständig irgendwelche Chemikalien runter tropften, Dreckberge, ein bestialischer Gestank, eine die Atemwege reizende Atemluft ...

Hier waren wir aber wohl nur ein paar Tage, danach ging es dann in den Tagebau nach Zwenkau, südlich von Leipzig.
Untergebracht waren wir, zusammen mit den Hauptkräften des I. MSB, in einem riesigen, nun vorübergehend geschlossenen, Gasthof in Zwenkau. Als Stützpunktleiter fungierte Hauptmann Hamhalter, damals wohl SC oder StSC des I.MSB.
Noch heute sehe ich das Bild vor mir, wie er sich immer zu Beginn der „Dienstberatungen“ regelmäßig eine dicke Zigarre anzündete und genüßlich paffte.

In dem riesigen Massenschlafsaal des Gasthofes herrschte Tag und Nacht ein ständiges Kommen und Gehen, da die Soldaten aller Einheiten im 3-Schicht-System und an den verschiedensten Stellen im Tagebau eingesetzt waren.
Und natürlich bestand auch hier die Hauptaufgabe der Vorgesetzten aller Stufen darin, zu verhindern, dass es die Soldaten mit dem illegalen Akloholkonsum zu sehr übertrieben – ganz verhindern konnte man das bei den zahlreichen Möglichkeiten der Alkoholbeschaffung in dem zig Quadratkilometer großen Tagebaugelände und den dezentralisierten Arbeitsplätzen sowieso nicht.

Die Arbeiten im Tagebau selbst fand ich relativ unspektakulär, um nicht zu sagen wenig effektiv. Die ersten Tage sollten die Soldaten die in den Waggons festgefrorene Kohle bzw. Abraum mit Brechstangen und Spitzhacke ausbrechen, ein nahezu nutzloses Unterfangen, das auch bald abgebrochen wurde. Man setzte dann auf LKW’s montierte Düsentriebwerke von den Chemischen Diensten ein, die vermutlich an den Waggons auch viel Schaden angerichtet haben.

Die Soldaten der AklK wurden in 3 Schichten mit je 1 Offizier und ca. 10-15 Soldaten und Unteroffizieren auf einem riesigen Abraumbagger eingesetzt, um im Havariefall (Stauungen durch Festfrieren auf den Förderbändern usw.) gleich einzugreifen. Solche Situationen gab es aber (fast) nie, d.h. die ganzen 8 Stunden der Schicht saß man auf diesem riesigen Monstrum von Abraumbagger im warmen Aufenthaltsraum rum oder erkundete aus Interesse die verwirrenden, kilometerlangen Treppen und Laufwege dieses Großgerätes entlang der Bänder.

Insgesamt hat diese Hilfe wohl bis Ende Februar gedauert, genau weiß ich das aber nicht mehr.

Zu dieser Zeit war gerade der bis heute bekannte Blödelsong der Gebrüder Blattschuss in aller Ohr und auf den Hitlisten, ob West oder Ost:

„Kreuzberger Nächte sind lang ...“.

Und da gerade Faschingszeit war, haben wir Offiziere auch mehrere Karnevalsveranstaltung in Zwenkau besucht.
Der Höhepunkt dieser „Schunkelabende“ war immer erreicht, wenn der ganze Saal grölte:

„Zwenkauer Nächte sind lang ...“

Mein Gott, es gab und gibt nun wahrlich Schöneres und vor allem Aufregenderes auf dieser Welt als ausgerechnet „Zwenkauer Nächte“ ...
Ich zumindest hätte mir damals als 22-jähriger junger Mann wohl eher „Rio’s Nächte am Zuckerhut“ gewünscht.

Aber bis heute muss ich immer noch schmunzeln, wenn ich diesen Song mal zufällig wieder im Radio höre.

Beste Grüße - Erik


Jürgen_Nachrichten Offline

* * * * große Sterne


Beiträge: 1.364
Punkte: 23.557

23.11.2013 16:11
#6 RE: Winter 1978/79 Antworten

lso Kassenbulle.
Ich bekam den Befehl den Zahltag für die Außenkommandos durchzuführen
Also fuhr ich mit einer Pistole bewaffnet einem großen Koffer voll Geld mit einem Trabant mit Fahrer
und MPi los.
Gott sei Dank hatte mein Fahrer einen Feldspaten mit. Ihr könnt Euch denken warum!
Oft haben wir mehr unseren Kübel freigeschaufelt als zu fahren.
Als wir dann endlich bei den Kommandos ankamen, wurden wir als Helden gefeiert.
e n d l i c h G e l d
Dieser ganze Aktion hat 14 Tage gedauert.
Trotzdem war es sehr lehrreich.
Ach übrigens es hat bei der Abrechnung kein Pfennig gefehlt.

Euer Jürgen


Olaf Georgi Offline



Beiträge: 5
Punkte: 157

17.11.2018 22:33
#7 RE: Winter 1978/79 Antworten

Hallo Kameraden,

habe gedient von 78/II - 80/I, Grundwehrdienst.
Zur Grundausbildung war ich die 4 Wochen in Bad Frankenhausen, in der Grundausbildung ging es um einen Reaktionstest.
Keiner von uns wusste, den Zusammenhang bzw. den Grund. Von 100 wurden dann wir 10 ausgesucht.
Am Ende der Grundausbildung standen wir 10 Soldaten der Kompanie in den Startlöschern nach Weißkeisel zur Richtlenkschützenausbildung.
Die Ausbildung wurde durch Havarieeinsätze unterbrochen, freie Wochenenden gab es nicht, wir waren in dieser Unteroffiziersschule nur 2
Soldatenkompanien, zur Richtlenkschützenausbildung, im Prinzip für die ganze DDR für das Dienstjahr 79/I.
Ausgang und Urlaubssperre in dieser Zeit.
Einen freien Sonntag hatten wir, in den 5 Monaten. Eingeschlossen einen VKU (d.h. mit der Grundausbildung in 6 Monaten)
Früh 3 Uhr wecken, zu Fuß auf den Schießplatz, nach eintreffen im Kompaniebereich (KC Hauptmann Brosche, Spieß Fähnrich Weidlich)
20 Minuten, dann ins Leerklassengebäude bis 21 Uhr.
Den EU-Urlaub, des ersten Halbjahres haben wir alle mit nach Bad Frankenhausen in die Stammeinheit mitgenommen.
Wer sich mit der Gefechtsstärke auskennt weiß wie schwer es war als RLS, diese 8 Tage unter zubringen.
Worum es geht, in dieser nicht ganz einfachen Zeit habe ich extrem gute Kameraden kennen gelernt.
Richtlenkschütze: Hauburger, Süß, Döhring, Zschieche, Mattheuer, Luther, Rosenthal, Keller,.....
Meldet Euch, wir werden nicht jünger!!!!!!!!

Gruß Olaf

Richtlenkschützen, meldet Euch !


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